Podcast mit Nico Lange und ballistische Raketenabwehr

Vielen Dank für den wieder einmal sehr informativen Podcast mit Nico Lange zum NATO Gipfel in Ankara! Herr Lange ist ein großartiger Gesprächspartner, der die sicherheitspolitische Lage und die Entwicklungen bei diesem Gipfel sehr gut einordnen und erklären kann.

Die dort auch wieder diskutierte Frage, wie die Ukraine und Europa eine bessere Versorgung mit Abwehrmitteln gegen ballistische Raketen erreichen kann, treibt mich sehr um. Im Podcast wurde die Pressemeldung angesprochen, dass es der Ukraine erlaubt werden soll, Patriot PAC-3 Interzeptoren in Lizenz zu produzieren. Herr Lange hat korrekt darauf hingewiesen, dass dies allenfalls eine langfristige Erleichterung in mehreren Jahren bringen, kurzfristig aber nicht helfen wird. Ich fürchte allerdings, die Problematik geht hier noch viel tiefer.

Ich habe mich etwas mit dem Thema beschäftigt, wo eigentlich bei der Produktion von Abwehrmitteln gegen ballistische Flugkörper die Engpässe liegen. Bei der Recherche kam heraus, dass ein wichtiger Engpass bei der Produktion der wichtigen PAC-3 Interzeptoren (die Abwehrflugkörper, die der Ukraine jetzt ausgegangen sind) in dem hochspezialisierten Ka-Band RADAR Suchkopf der Abwehrraketen liegt, die nur in einer einzigen Fabrik von Boeing produziert werden und bei deren Herstellung extrem schwer zu verarbeitende exotische Halbleiter verwendet werden. Die Fertigung dieser Suchköpfe ist ein zentraler limitierender Faktor für die weitere Hochskalierung der PAC-3 Produktion. Wenn wir nun von einer PAC-3 Lizenzfertigung in Westeuropa oder der Ukraine sprechen, ist damit nur eine (nach einem langwierigen Zertifizierungsprozess erlaubte) Endmontage von aus den USA gelieferten Kernkomponenten gemeint. Das heisst, die Lizenzfertigung kann helfen, die periodisch nötige Wartung von vorhandenen Flugkörpern zu übernehmen, aber nicht die Anzahl der produzierten Flugkörper signifikant zu erhöhen.

Interessanterweise setzt genau an dem Punkt das von der ukrainischen Firma initiierte Projekt Freya zur Entwicklung der FP7.x Abfangrakete an. Diese Abfangrakete muss den Praxistest noch bestehen, ist aber von Grund auf so konzipiert, dass sie die existierenden Produktionsengpässe vermeidet und eine Produktion vollständig in Europa erlauben würde (was massive geostrategische Implikationen haben würde).

Ich habe meine Rechercheergebnisse in Form eines Gesprächs-Logs mit Gemini AI zusammengefasst, das ich im folgenden anhänge und das mir sehr geholfen hat, die technischen Hintergründe zu verstehen. KI Ergebnisse sind bekanntlich immer mit Vorsicht zu geniessen, aber die wichtigen Punkte sind allesamt mit verifizierbaren Quellen unterlegt, so dass es sich als Ausgangspunkt für eine journalistische Recherche eignen sollte. Ich denke, das Thema hat grosses Potential für eine zukünftige Podcast-Folge (z.B. wieder mit Fabian Hoffmann von MissileMatters), und ich würde mich freuen, dazu mehr zu hören.

Wie immer mit Nico Lange eine hörenswerte Folge.
Dank an Ronzheimer für diesen Gast.

Interessanter Vorschlag von Nico Lange: Wenn wir amerikanische Waffen kaufen (weil sie gut sind und die USA das wollen), dann sollten wir wie China Joint Ventures verlangen: Wir kaufen, wenn ihr Raytheon oder General Dynamics zur Erfüllung der Aufträge in Deutschland Unternehmen gründet bzw. Produktionen aufbaut.
Aber so viel Eier hat unsere Regierung wohl nicht. :smirking_face:

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Ist halt die Frage, ob man da ggf. Verhandlungsmacht hat. Wenn die Systeme so gut und einzigartig sind (wie F35), dann kann man wenig fordern.
Vergessen sollte man auch nicht, dass die USA am Ende am längeren Hebel sitzen, weil wir ohne die USA mehr oder minder „blank“ sind. Die USA verteidigen uns, mit massiver (!) Militärpräsenz in Europa. Umgekehrt ist das nicht der Fall. Die USA brauchen uns nicht für ihre Verteidigung. Es ist schon eine sehr einseitige Angelegenheit - daher ist man in Europa klug beraten, wenn man die USA nicht vor den Kopf stößt.

So lange wir Tomahawk-Systeme in USA kaufen müssen, müssen wir halt die Klappe halten.

Europa sollte schleunigst für eigene Verteidigungsfähigkeit (EU-NATO) sorgen und möglichst viele Systeme in Europa beschaffen.

Allerdings muss momentan Speed vor nice to have gehen.