Mich würde mal interessieren warum etablierte Politiker in Rededuellen und Streitgesprächen mit Rechtspopulisten oft so schwach rüberkommen. Wäre das mal ein Thema für den Podcast? Vielleicht weiß Benedikt Held die Antwort? Die Analyse muss ja nicht gleich so ins Detail gehen wie hier z.B. : https://m.youtube.com/watch?v=S9Di6VtpPlA
Der Grund mag im Einzelfall rhetorische Schwäche sein.
Der Hauptgrund erscheint mir aber, dass die Politiker der etablierten Parteien es nicht schaffen eine positive Geschichte zu erzählen. Sie reden nur von sparen hier und sparen dort, schmerzhafte Einzelmaßnahme a) gegen dieses drohende Szenario und schmerzhafte Einzelmaßnahme b) gegen jene drohende Katastrophe, aber sie verbinden das nicht mit einer Erzählung in welche insgesamt bessere und glücklichere Zukunft sie die Bürger und deren Kinder führen wollen.
Menschen wollen nicht unendlich von Sparen und Katastrophenvorsorge hören, Menschen wollen einer positiven Verheißung folgen können: Das Land wird sicherer, sauberer, ein Arbeits- und Sparerleben erbringt eine zureichende Rente, Schulen und Bahnen sind top, das Wasser sauber, die Luft rein, Häuserwände nicht beschmiert, Ziele wie ein Auto und ein Häuschen werden positiv gesehen statt problematisiert.
Die Verheißung der AfD lautet: Alles wird wieder wie vor 2015: Sichere Grenzen, Zuwanderung nur noch Qualifizierter, Rauswurf aller Nichtaufenthaltsberechtigten, Islamisten, Hassprediger und Clan-Kriminellen, Wiederherstellung von Recht, Ordnung, Ruhe und Sauberkeit auf Straßen in Bahnen und Zügen, Sanktionierung von Nichtarbeitswilligen, keine Sprachpolizei durch Genderei und Meldestellen im Netz, Mohrenkopf darf Mohrenkopf bleiben und Ziele wie ein Häuschen, ein Auto und ein Urlaubsflug werden wieder positiv gesehen.
Eine positive Erzählung zählt mehr als jede glänzende Rhetorik.
Ist halt einfacher gute Nachrichten zu erzählen wenn man lügt.
Ich denke der Unterschied zwischen Politikern und Rechtspopulisten ist relativ einfach.
Ein Politiker versteht in kurzer Zeit viele Fakten unterzubringen…Das ist für einen durchschnittlichen Bürger manchmal doch ziemlich komplex und nicht nachvollziehbar.
Rechtspopulisten antwortet eher mit reiner „Entertainment“-Rhetorik. Schwierige Frage - einfachste Antwort. Was jedoch fachlich dahinter steckt ist erstmal egal, klingt auf jeden Fall einfacher als das von dem anderen.
Hinzu kommt das man rhetorisch eine Gemeinschaft aufbaut und gemeinsame Feinde sucht. „Die da oben, Immigration“ und und und…
Das tun Linkspopulisten ganz genauso.
Der Podcastvorschlag müsste sich somit ganz allgemein auf Sprache von Populisten beziehen.
Im Übrigen sehe ich es als eine Kunst an komplexe Vorgänge so rüberbringen zu können, dass auch Normalsterbliche und nicht nur Akademiker das verstehen. Umgekehrt sehe ich Politiker die das nicht können als fehl am Platz an. Spezialisten, die in Fachsprache ihre Fachvorgänge einem Fachpublikum erläutern können gibt es reichlich.
Fachkundige, die komplexe Vorgänge Normalmenschen verständlich machen und sie damit sogar begeistern können, gibt es wenige. Natürlich gibt es Populisten, die null Fachahnung haben. Die werden schnell als Dampfplauderer entlarvt. Aber einem Populisten wie Ex-Kanzler Schröder wird ja niemand ein zureichendes Fachwissen absprechen wollen. Seine Kunst lag darin, seine wirtschaftspolitischen Erkenntnisse so erklären zu können (fordern und fördern), dass eine Mehrheit der Normalbürger das verstand.
U n d Schröder verband sein Reformverlangen gegenüber den Bürgern mit einer positiven Erzählung: Wenn wir dies tun, werden wir wieder wettbewerbsfähig und es wird mehr Arbeitsplätze geben und durch die Einnahmen wird der Staat und Sozialstaat finanzierbar bleiben. Die Story war nicht überzeugend genug für die Leute, sodass erst Merkel die Früchte von Schröders Mut ernten konnte.
Auch eine „Blut und Tränen“-Rede kann wirkungsvoll sein, wenn sie gut gemacht und platziert wird. Davon abgesehen: Meiner Einschätzung nach wird die Brisanz der Lage noch immer von vielen unterschätzt. Bei einer aggressiven postfaktischen Argumentation reicht es nicht mehr, ein bisschen bessere Politik zu machen oder mit den Faktenchecks ein bisschen schneller zu sein. Das würde von der (potentiellen) AfD-Wählerschaft gar nicht wahrgenommen werden. Dort lässt man sich von einer ganzen Influencer Armee 24/7 mit AfD Programm und Spott und Häme gegenüber der politischen Mitte und den „Mainstream“-Medien berieseln. Ich würde mir von den Altparteien bessere Vorbereitung und mehr Souveränität in der Konfrontation wünschen. Gegen Gehirnwäsche im Internet (Stichwort „Radikalisierungsmaschinen“) fehlt es noch an wirksamen Gegenmaßnahmen. Mag sein, dass der Linkspopulismus ähnlich arbeitet, aber da sehe ich auf der politischen Bühne aktuell keine ernsthafte Bedrohung.
Unter einer positiven Erzählung kann man so manches verstehen. Schönfärberei und Selbstbeweihräucherung machen einen leicht angreifbar. Ich persönlich wäre schon mit einem guten Plan oder einer Strategie zufrieden. Aber auch das ist scheinbar momentan nicht drin. Ich stimme zu: Sparen und mehr arbeiten ist mir auch noch ein bisschen mager als Verheißung für den Wiederaufstieg. Da müssten wohl Außenstehende ran, um ein positives (oder zumindest glimpfliches) Szenario für die Zukunft zu entwerfen. Wenn das genug Zuspruch bekäme, könnte die Politik vielleicht mitziehen.
In der Opposition kann man jedenfalls viel versprechen und besser wissen. In der Regierung kann man negative Stimmen unterdrücken oder man kann die eigene Strategie gut verpacken und vermitteln. Da sind wir von der Redekunst wieder nicht weit weg.
Ich rede gar nicht von einer angeblich gelungenen Erzählung der AfD.
Ich rede vielmehr davon, dass uns unsere Politiker keine positive Geschichte davon zu erzählen in der Lage sind, wie genau wir für unsere enormen Steuern und Abgaben und neuerdings auch weitere finanzielle Zumutungen
- auf unseren Straßen wieder Sicherheit zurückgewinnen
- unsere Schulen wieder zum Output von erstklassigen Schülern ertüchtigen können
- hunderttausende Nichtaufenthaltsberechtigte aus unserem Land herausbringen
- unsere Grenzen absolut gegen unerwünschte Migration absichern
- unsere Infrastruktur zeitnah ertüchtigen
- unsere militärische u. gesellschaftliche Resilienz erhöhen
- unsere viel zu hohe Staatsquote von derzeit über 50%! auf eine von 40% oder 35% zurückführen
- die uns erwürgende Bürokratie in großen Schlägen beseitigen
- unsere Energieversorgung ertüchtigen zur Bereitstellung von genug und billiger Energie und möglichst noch CO2-günstig
Hierüber will der Bürger berechtigt etwas hören:
Welche Schritte, wann mit welchem Ergebnis.
Wie in einer Firma und kein Blabla und keine Parteipolitik.
Und wenn die aktuelle Politikerkaste, die aktuellen Parteien das nicht erzählen können oder wollen, dann wählen wir allen Unkenrufen zum Trotz einfach mal neue Leute.
Die Auflistung der Problemstellungen ist der erste Schritt zur Lösungsfindung. Was sollte nun als Erstes angegangen werden? Wo ist die beste Hebelwirkung, die größten Synergien und der geringste Widerstand zu erwarten? - Was ich sagen will: Die Bürger sollten idealerweise nicht mit guten Geschichten abgespeist werden, sondern in den Prozess mit einbezogen werden. Ein Verständnis der Zusammenhänge könnte helfen. So, wie dringt man damit jetzt zu den Wählern durch?
(Ich verrate meinen Tipp schon mal vorab: Die richtigen Worte am richtigen Ort zur richtigen Zeit.)