Herr Kuesdennebel (nettes Pseudonym!), Sie haben eine der wenigen Schwachstellen des zweiteiligen „Streit“-Podcasts angesprochen.
Dazu kann ich kurz ein persönliches Erlebnis (ca. 3 Wochen her) beisteuern: Autofahrt Mittelstadt innerorts, ein mit einem jungen Mann und 2 mit Kopftuch bekleideten Damen (darf man das schreiben?) besetzter eRoller kreuzt unvermittelt die Fahrbahn und fordert eine Vollbremsung. Die Aufforderung besser aufzupassen wird mit dem Ruf „wir töten euch alle“ quittiert.
Irritierend - das ist eben das „Stadtbild“, daran ändert sich so schnell nichts.
Andererseits wurde in diesem Streit-Podcast zu den Facetten der behandelten schwierigen Themen zum Teil fast prophetisch argumentiert, Herr Ronzheimer führte mit seiner Fragestellung sehr souverän durch das Gespräch .
Wie schon beim bemerkenswerten Podcast mit Ahmad Mansour.
"Châpeau Herr Ronzheimer“. Solch einen Journalismus muss man goutieren.
Endlich wird einmal offen über den Begriff „Brandmauer" gestritten. Ähnlich wie die „Lügenpresse“ ist dies einer jener gut gewählten plakativen aber absolut schädlichen Shit-Begriffe, die jede vernünftige Diskussion im Keim ersticken. Also weg damit. Mindestens so konsequent wie beim N-Wort.
Die Wahlergebnisse beweisen es doch. Einige der von der AfD verwendeten Themen treffen eben ins Schwarze und bedürfen unbedingt einer politischen Reaktion. Diese erfolgt aus Angst vor der Geisselung vernünftige Lösungswege zu betreten - nur weil eine suspekte Partei diese für sich besetzt hat - nicht. Weil eben „Brandmauer“ und „rote Linie“. Das ist doch nicht zu glauben. Hat die AfD ein Patent auf diese Themen und deren Lösung??
Die Baustelle Deutschland ist riesig.
Merz ist kein charismatischer Typ wie früher mal bei der SPD Brandt, Schmidt und durchaus auch Schröder, aber auch Kohl war nicht charismatisch und erfolgreich.
Viele hätten Merz aber zugetraut, dass er in die richtige Richtung geht und das Kreuz dazu hat. Nun steht er mit dem Rücken zur Wand. Er muss das Risiko wählen, er muss sich jetzt innerhalb seiner Partei und in der Koalition durchsetzen, er muss härter werden, auch wenn es ihn ein paar vermeintliche Freunde kostet. An der Spitze ist man eben einsam.
Wenn die CDU nicht schafft, endlich ihre nostalgischen Merkelianer loszuwerden und sich geschlossen hinter ihren Kanzler stellt, wird sie dasselbe Schicksal ereilen wie die SPD - sie ist „out“.
Ohnehin hat Frau Merkel in ihrer Bilanz mit zahlreichen krassen Fehlentscheidungen, deren Erbe Merz angetreten hat, geglänzt:
- alternativloser Atomausstieg (als Physikerin hätte sie doch wenigstens die weitaus weniger gefährliche Technik der thoriumbetreibbaren Flüssigsalzreaktoren fördern können (jetzt bauen das die Chinesen und Deutschland ist kerntechnisch „out“)),
- "wir schaffen das“: die unkontrollierte Aufnahme von Menschenmassen unter der naiven Annahme da kommen nur Gutmenschen
- Abhängigkeit von russischem Gas usw.. …
- Die erste Hälfte ihrer Kanzlerschaft hat doch Frau Dr. Dr. h.c. mult. M. von den Hartz-Reformen profitiert, sich von der Sonne der „mächtigsten Frau der Welt“ und weiterhin von Ehrungen bescheinen lassen, während sie einen der verdienstvollsten Kanzler und ihren Mäzen auf gemeine Weise wegen „Bimbes“ kaltstellte. Statt ihrem Nachfolger beizuspringen geht sie lieber weiter Sonnenbaden …
Mit dem Scherbenhaufen einer gealterten, orientierungslosen Partei und sich amateurhaft verhaltendem Koalitionspartner soll nun ein Friedrich Merz innert kürzester Zeit alles in Ordnung bringen?
Habt doch Erbarmen mit diesem Mann, er benötigt jede Hilfe, auch von den Presseorganen. Unterstützt ihn endlich und geisselt ihn nicht, wenn er korrekterweise das „Stadtbild“ erwähnt oder zunächst vielleicht zweideutige Aussagen tätigt. Der Mann ist doch nicht dumm, und wenn wir ehrlich sind wissen wir doch eigentlich gleich was er meint.
Ukraine: holt meinetwegen sogar Schröder, sollte er geistig noch einigermaßen brauchbar sein, aus seiner Versenkung. Wir brauchen egal welche Person oder Chance, endlich diesen unsäglichen mörderischen Krieg in der Ukraine zu beenden.
Übrigens: wie hätte sich die Beziehung zu Russland und der Ukraine-Konflikt entwickelt, wäre Schröder 2005 Kanzler geblieben?
(NB ein paar Gedankenschnipsel aus Presseartikeln jener Zeit:
Ich erinnere einen ganzseitigen politischen Artikel der BZ aus den nuller-Jahren, in der über einen möglichen drohenden innenukrainischen Konflikt referiert wurde, da die Ukraine ein 1/3 zu 2/3 (russisch/ukrainisch) ethnisch gespaltenes Volk sei. Damals war die Ukraine für uns Deutsche ein fernes Land ohne relevanten Bezug.
Aufgrund des Interesses der US-Amerikaner bereits in den Nuller-Jahren, mit militärischer Unterstützung dort Fuss zu fassen, rückte die Ukraine langsam in unseren Focus (Einzelberichte).
Jetzt stecken wir (fast) mittendrin, die US-Führung macht was sie eben tut …
(Ich bin ausdrücklich kein Befürworter der russischen Aggression)
Ja,„wir müssen bestimmte Dinge auch anders denken um Konflikte zu lösen“!
In diesem Sinne: ich freue mich auf weitere erkenntnisreiche Ronzheimer-Folgen