Steinbrück wird als „Klartext"-Mann angekündigt. Das Problem ist nicht sein Klartext – das Problem ist, dass sein Koordinatensystem das ganze Gespräch über als Tatsache stehen bleibt, ohne dass die einmal in Frage gestellt wird. Es bleibt alles ein typischer Steinbrück: Er spricht in seiner typischen Mischung ais Helmut Schmidt und Gerhard Schröder, und steilt steile Thesen in den Raum. Ich verstehe schon, dass man da auch mal zweimal überlegt, ob man eine kritische Frage stellt.
Vermüllung. Steinbrück erklärt die Verwahrlosung des öffentlichen Raums für „völlig losgelöst“ von Migration. Die naheliegende Frage – „Woher wissen Sie das? Gibt es dazu Daten?" – kommt nicht. Die Gegenthese könnte genauso gelten – liegt sogar ziemlich nahe.
AfD-Wähler haben „Sehnsucht nach starken Männern“, zur „Renaissance autoritärer Figuren“. Das ist bequem, weil es den Wähler zum psychologischen Fall macht statt zum politischen Gegenüber. Die offensichtliche Alternative – dass diese Menschen schlicht eine andere Politik wollen: eine andere Migrationspolitik, eine andere Energiepolitikeine andere Wirtschaftspolitik – wird nicht einmal als Möglichkeit in den Raum gestellt. Keine Nachfrage.
Energiepolitik. Steinbrück nennt die „konsistente Energiepolitik“ selbst als einen der „Elefanten im Raum“. Dann darf der Elefant sofort wieder verschwinden. Was war falsch? Atomausstieg? Die Kosten der Energiewende? Die Gas-Abhängigkeit? Er muss es nie sagen. Elefant benannt, Elefant entlassen.
Tankrabatt. „Die Politik ist kein Pizzaservice“, der Staat könne nicht alles auffangen. Richtig – nur sind die hohen Spritpreise zu großen Teilen staatlich gemacht: Energiesteuer, CO2-Bepreisung, Mehrwertsteuer. Der Staat würde hier nichts „auffangen“, er würde nur seinen eigenen Aufschlag zurücknehmen. Auch dieser Punkt fällt unter den Tisch.
Das Muster ist immer dasselbe: Sobald ein Gast den Konsens der Mitte bedient, hört das Nachfragen auf. Klartext vom Gast nützt nichts, wenn ihn niemand prüft.