Podcast mit Melanie Amann

Lieber Herr Ronzheimer,

sehr starke und wichtige Einladung.

Ich fand besonders bemerkenswert, dass hier einmal offen darüber gesprochen wurde, warum viele klassische Warnmechanismen und politische Alarmbegriffe ihre Wirkung verlieren. Nicht, weil die Gefahren verschwunden wären – sondern weil permanente moralische Zuspitzung, ritualisierte Empörung und ständige Eskalationsrhetorik bei vielen Menschen längst zu Abstumpfung und Misstrauen führen.

Vielleicht sollten Medien, Politik und gesellschaftliche Verantwortungsträger daraus endlich Konsequenzen ziehen: Menschen wollen nicht fortlaufend eingeordnet, belehrt oder in Lager sortiert werden. Sie wollen ernst genommen werden. Sie wollen Realität erklärt bekommen – nicht nur Framing und Haltungskommunikation.

Gerade deshalb war dieses Gespräch wichtig. Es ging nicht nur um die AfD, sondern auch um die Frage, warum so viele Menschen den etablierten Institutionen, Parteien und Medien zunehmend misstrauen.

Und eines muss ebenfalls klar gesagt werden: Die AfD erreicht derzeit immense Zustimmungswerte in Umfragen. Wer unsere Demokratie schützen will, darf deshalb nicht weiter Öl ins Feuer gießen. Mit der ständigen Brandstifterei, der gegenseitigen Verachtung und dem dauernden Abgesang auf unsere schützenswerte Demokratie muss Schluss sein.

Eine demokratische Gesellschaft braucht klare Grenzen gegen Extremismus – selbstverständlich. Aber sie braucht ebenso Selbstreflexion, Glaubwürdigkeit, Sachlichkeit und die Fähigkeit, gesellschaftliche Spannungen ehrlich anzusprechen, bevor sie weiter eskalieren.

Demokratie lebt nicht nur von Haltung. Sie lebt vor allem von Vertrauen. Und Vertrauen gewinnt man nicht durch Angstkommunikation, sondern durch Glaubwürdigkeit, Zuhören und ernsthafte Debatten.

Von den sogenannten Alternativen für Deutschland selbst sind dazu meiner Meinung nach keine positiven Impulse zu erwarten. Im Gegenteil, sie erwartet zwar immer das die „ganze Bandbreite“ des Meinungskorridors zu Wort kommen müsse, versteht darunter aber nach meinem Empfinden eine möglichst weite Ausdehnung des Meinungsspektrums nach rechts, während liberale, progressive und queere Stimmen kritisiert werden.

Viele Grüße Ulrich C.

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