Automobilindustrie: Werden wir zur Werkbank Chinas?

Guten Abend!

In der neuen Folge unseres liebsten Podcasts spricht Autoexperte Philipp Raasch über die Krise der deutschen Autoindustrie - und seine Analyse fällt deutlich aus.

Besonders eine Aussage dürfte viele Diskussionen auslösen:
„Wir werden gerade in Europa zur Werkbank Chinas.“

Raasch argumentiert, dass China längst nicht mehr nur produziert, sondern zunehmend auch die wertvollsten Bereiche der Automobilindustrie übernimmt: Entwicklung, Software, Batterietechnologie und Künstliche Intelligenz. Deutsche Hersteller würden immer häufiger dort entwickeln lassen, weil sie bei wichtigen Zukunftstechnologien ins Hintertreffen geraten seien.

Weitere Thesen aus dem Gespräch:

  • China habe deutsche Autobauer nicht überrascht, sondern über Jahrzehnte systematisch aufgeholt.
  • Die deutschen Konzerne hätten die technologische Wende nicht verschlafen, aber nicht ernst genug genommen.
  • Der Wandel vom Verbrenner zum softwaregesteuerten Elektroauto sei vergleichbar mit dem Umbruch von Nokia zum iPhone.
  • Die größte Stärke deutscher Hersteller sei aktuell nicht die Technologie, sondern ihre Marken.

Wie seht ihr das?

  • Ist Raaschs Analyse realistisch oder zu pessimistisch?
  • Haben VW, BMW und Mercedes die Elektromobilität tatsächlich unterschätzt?
  • Ist China heute technologisch führend oder werden deutsche Hersteller wieder aufholen?
  • Droht Deutschland der Verlust von Industriearbeitsplätzen und Entwicklungsstandorten?
  • Oder erleben wir lediglich einen normalen Machtwechsel in einer globalen Industrie?

Hier gibts die Folge - wir sind gespannt auf Eure Meinung!

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Lieber Herr Ronzheimer und sein cooles Team,

ganz spannende Folge, ich habe begeistert zugehört und viele Zusammenhänge verstanden:

Die Analyse von Philipp Raasch finde ich bemerkenswert, weil sie den Blick einmal nicht reflexhaft auf Politik, Bürokratie oder Energiekosten richtet, sondern auf die Unternehmen selbst.
China ist nicht über Nacht an die Spitze gekommen. Über Jahrzehnte wurden Joint Ventures genutzt, Technologie aufgebaut, Fachkräfte ausgebildet und strategische Zukunftsfelder wie Batterietechnik, Software und KI gefördert. Viele westliche Unternehmen haben davon profitiert, gleichzeitig aber unterschätzt, wie schnell aus dem Schüler ein Konkurrent werden kann.
Besonders überzeugend finde ich den Gedanken, dass die deutsche Autoindustrie die Elektromobilität nicht völlig verschlafen hat, ihre Bedeutung aber lange unterschätzt hat. Wer jahrzehntelang Weltklasse bei Verbrennungsmotoren war, tut sich naturgemäß schwer, wenn plötzlich Software, Batterien und Datenplattformen zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden.
Gleichzeitig würde ich davor warnen, die deutschen Hersteller auf „Blechbieger“ zu reduzieren. Marken wie VW, BMW und Mercedes verfügen weiterhin über enormes Know-how bei Sicherheit, Fahrwerk, Fertigungsqualität und industrieller Produktion. Die Frage ist nicht, ob sie etwas können, sondern ob sie ihre Stärken schnell genug in das Zeitalter des Smart Cars übertragen.

Für mich ist die eigentliche Lehre: Die Herausforderung kommt heute weniger aus Berlin als aus Shenzhen, Shanghai und Peking. Wer das ignoriert, diskutiert über die Vergangenheit statt über die Zukunft. Das macht die Analyse von Raasch so interessant – auch wenn die Formulierung von der „Werkbank Chinas“ bewusst zugespitzt sein dürfte.

Elektromobilität ist die Zukunft - Verbrenner ist Vergangenheit.

Hier können wir in Echtzeit beobachten, wie unsere Wirtschaft ins Abseits gerät, wenn sie sich zu sehr am übergriffig und zu bürokratisch empfundenen Staat abarbeitet statt sich mit Innovationen an die Spitze zu kämpfen!

Viele Grüße von Ulrich C.

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Es ist allerdings nicht klar, was jetzt die Konsequenz sein soll. Nokia ist auch nicht deswegen verschwunden, weil sie kein Touchscreen hatten. Apple hat ja nicht nur ein Touch Display eingeführt, sondern ein Telefon mit UNIX basiertem Betriebssystem und vor allem dann auch Apps. Die Idee, Apps zu erlauben, war sicher mindestens so wichtig - etwas, was Nokie oder Blackberry nie gemacht hat (bis dahin). Die Verbindung mit Itunes war wichtig.

Was ich sagen will: einfach nur Antrieb ist nicht die ganze Story.

Es kann auch gut sein, dass in 50 Jahren es gar keine Autos mehr gibt sondern nur noch Robotaxis. Vielleicht ist deren Produktion auch gar kein Geschäftsmodell mehr, da total einfach, sondern das Geld wird mit dem Flottenmanagement verdient? Vielleicht werden Logistikfirmen wie DHL die großen Gewinner, die so was können? Wer will das jetzt schon sagen?

Man überlege mal, wie 1880 die Leute auf die Welt geguckt haben. Damals dachte man, der Wohlstand hängt an der Eisenbahn, der Dampfmaschine, und Kollonien.

Es ist alles anders gekommen…

Daher lass uns nicht versuchen, staatlich irgendwas technologisches vorherzusehen sondern die Veränderungen und Innovationen erlauben und fördern, durch Risikokapital, wenig Regulierung, flexible Arbeitsmärkte, Hire&Fire, usw.

Übrigens sehe ich auch nicht so ganz, dass unsere Wirtschaft „im Abseits“ ist. Wir sind immer noch ein extrem reiches Land im Vergleich zu China. Dort ist man mit unserem Sozialhilfesatz schon unter den Besserverdienenden. Wir haben Firmen wie SAP, die fast Monopole haben. Deutsche Lufthansa, Deutsche Bank und viele andere spielen ganz oben mit. Airbus ist fast konkurenzlos. Rheinmetall baut die besten Panzer. Es gibt so viele Bereiche außer Autos, die absolut Spitze sind.

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