Ein Bürgermeister Kruithoff der 9% Arbeitslosigkeit als Vollbeschäftigung bezeichnet und auf ungläubige Nachfrage von Ronzheimer ernsthaft die Ansicht äußert, dass 9% Arbeitslose sämtlich krank bzw. berechtigt / unverschuldet dem Arbeitsmarkt fernbleiben, so ein Bürgermeister ist selbst Teil des Problems in Deutschland!
Zudem: Die Bürger selbst haben sich doch jahrelang bequem risikoavers eingerichtet, Grün gewählt und billigen Strom durch Atomkraft abgewählt und es begrüßt, wenn staatliche Stellen alles und jedes durch Vorschriften geregelt und ihnen eigenes Nachdenken und selbständiges Regeln abgenommen haben. Jetzt beklagen sie die Bürokratie.
Und die VW-Arbeiter haben auch in den letzten spürbar schlechteren Jahren knallhart auf ihren gewerkschaftlich erkämpften Superverträgen und Spitzengehältern bestanden und haben doch insgeheim gewusst, dass sie damit nicht gegen die Chinesen bestehen werden.https://podcasts.apple.com/de/podcast/bto-der-ökonomie-podcast-von-dr-daniel-stelter/id1561142763?i=1000776860152
Und sind es nicht auch genügend VW-Arbeiter die sich privat Autos aus Billiglohnländern Korea, China usw. kaufen?! Ist dies eigene Kaufverhalten der vom Bürgermeister Zitierte Stolz auf den eigenen VW-Arbeitsplatz?
Ich war oft beruflich in Autowerken - keiner fährt dort ein „fremdes“ Modell. Aber so ein Werk produziert in einer Woche etwa so viele Autos wie es Arbeiter hat… das bringt also höchstens ein Prozent des Ausstoßes.
VW hat alleine in den letzten 5 Jahren 33,6 Milliarden (!!) Euro an Dividenden ausgezahlt. Auf Dividenden gibt es keinen Rechtsanspruch, das sind keine Zinsen. Ich kann schon verstehen, wenn man als Angestellter, dem sein Weihnachtsgeld und Bonus gestrichen wird, da Fragen stellt.
Die 33,6 Milliarden Euro entsprechen übrigens 50.000€ pro Mitarbeiter, die den Aktionären ohne jede Gegenleistung gegeben wurden.
Auch dieses Jahr wurden 2,6 Milliarden (!) ausgezahlt. Nur mal so zum Vergleich: das ist mehr als die gesamten Ausschüttungen der 90er Jahre zusammengerechnet.
PS Dass Strom durch Atomkraft „billig“ sei, ist eine extrem einseitige Berechnung, da das nur die „Treibstoff-Kosten“ sind, nicht Endlager und Risiken beinhaltet. Die Vollkosten für die Gesellschaft sind extrem hoch, billig erscheint es nur deswegen, weil der Staat alle Risiken trägt, während die Firmen und Kunden die Gewinne einstreichen.
Wenn man sieht, was in Deutschland alles nicht funktioniert, bin ich eigentlich sehr froh, dass wir keine Atomkraftwerke mehr betreiben. Ich habe jedenfalls kein Vertrauen, dass unsere Gesellschaft es dauerhaft schafft, so etwas gefährliches zu beherrschen. Es wäre über kurz oder lang zum GAU gekommen. Warum sollten Atomkraftwerke besser funktionieren als die Deutsche Bahn oder die Bundeswehr?
In dem Post wird exakt die Ideologie deutlich, deretwegen sich die deutsche Wirtschaft im freien Fall befindet.
Wie Arbeiter haben den Aktionären gar nichts „gegeben“. Die Arbeiter haben ihre Arbeitskraft gegen Lohn verkauft und mittels Investitionen der Aktionäre Wertschöpfung betrieben. Ohne gigantischen Kapitaleinsatz der Aktionäre wäre es Pustekuchen mit Jobs und Einkommen.
Und wozu die famose Energiewende geführt hat, zeigt ein heutiger Artikel im WELT: Kritik an Energiewende: „Abschaltung der Kraftwerke sofort stoppen“ - WELT
Aber macht ruhig so weiter und verschafft mir das Vergnügen die Folgen des Niedergangs zu betrachten, denn die gönne ich den Verursachern von Herzen.
wenn eine Firma wie VW ihre Gewinne den Anteileignern in gigantischem Umfang ausschüttet - und dann Probleme bekommt - dann ist das sicherlich schon eine fragwürdige Sache. Zumal das Land NRW ja Mehrheitseigner ist. Es riecht danach, dass die Aktionäre der Autoindustrie keine Zukunft geben und noch mal ausquetschen wollen, was geht.
„Deutsche Wirtschaft in freiem Fall“ - was ist denn die Alternative? Wieder mehr Autos bauen, die auch jeder andere auf der Welt bauen kann? Marge bei Autos ist so um die 5%. Ist das Zukunft? Genauso mit Großchemie/Dünger. Warum soll ein Land, das keine Primärenergie und kein Erdgas hat, Dünger produzieren? Das ist wirtschaftlich unsinnig.
Wer in Deutschland mehr Gewinn macht als alle Autofirmen zusammen ist SAP.
Wenn wir also vorankommen wollen, dann mehr SAP, weniger VW.
Grüße
A.
PS Diese Atomkraft-Beweiner sind leider sehr verbreitet. Das macht es aber nicht richtig. Atomkraft ist und bleibt eine Technik, die zu gefährlich ist. Es gibt keine sichere Atomkraft. Das ist immer nur so lange gut, wie nichts passiert. Wem das egal ist, der blendet eben die Risiken aus.
Der inhaltlichen Richtigkeit halber: Nicht Nordrhein-Westfalen ist Mehrheitseigner bei VW, sondern Niedersachsen.
Im „Eifer des Gefechts“ kann ein solches Versehen jedem unterlaufen. Und ich gehe davon aus, dass Ihnen, Andreas, auch nur das passiert ist.
Da haben Sie völlig Recht. Das habe ich verwechselt. Bitte um Entschuldigung und bedanke mich für die Richtigstellung.
Hallo Andreas,
wenn die ~33,6 Milliarden an Aktionäre ausgezahlt wurden und Niedersachen grösster Einzelaktionär ist, dann ist es ja den dortigen Steuerzahlern indirekt zugute gekommen (als Einzahlung in den Landeshaushalt). Ist erstmal nichts Negatives.
Generell sehe ich Deutschland seit einigen Jahren im Abwärtstrend und fragt man 5 Experten, wie man dies ändern kann, erhält man 6 Meinungen.
Generell habe ich aber den Eindruck, dass Deutschland seit einigen Jahren wirtschaftlich und gesellschaftlich an Dynamik verliert. Fragt man fünf Experten nach den Ursachen oder Lösungen, bekommt man sechs unterschiedliche Antworten.
Die WM-Grafik ist für mich eher eine Metapher als ein Beweis, zeigt es aber sehr schön: Deutschland gehörte jahrzehntelang selbstverständlich zur Weltspitze – im Fußball wie auch wirtschaftlich. In den letzten Jahren wirkt dieser Spitzenstatus deutlich weniger selbstverständlich. Über die Ursachen kann man streiten (5 Experten), aber der Eindruck eines relativen Bedeutungsverlusts ist für mich nicht von der Hand zu weisen.
Der Post hätte auch sehr gut ohne Hinweis auf die Grünen fumktioniert, aber das gehört wohl dazu.
Hallo, rmnk,
in den letzten Wochen - genauer gesagt, seit dem Ausscheiden der deutschen Elf gegen Paraguay - habe ich häufiger darüber nachgedacht, ob - und wenn ja, inwiefern - die (Nicht-)Leistung der deutschen Fußballnationalmannschaft (der Herren) als Spiegelbild einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung unseres Landes zu sehen ist. Folgende Aspekte haben sich dabei für mich herauskristallisiert:
- Vor allem bei den Turnieren 2018 und 2022 gab es im Vorfeld lang andauernde, kontroverse Diskussionen, die die Sportler tangierten, aber an sich nichts mit ihrer Aufgabe, auf dem Platz zu überzeugen, zu tun hatten. Politisch-gesellschaftliche Themen waren wichtiger als das fußballerische Ziel.
- Wie viel bin ich bereit, an Einsatz, Disziplin, harter Arbeit etc. zu geben, damit letztlich die Gesamtheit/Gemeinschaft reüssieren kann? Diese Frage sollten sich nicht nur die Spieler und alle weiteren Verantwortlichen der Nationalelf stellen, sondern sie gilt meines Erachtens für unser Land und unsere Gesellschaft insgesamt. Ich befürchte, der Großteil der Antworten würde deutlichen machen, dass nur eine Minderheit bereit wäre, „all in“ zu gehen.
- Damit wären wir beim Punkt der Leistung und Leistungsbereitschaft. Seit mindestens 30 Jahren beobachte ich, dass (Spitzen-)Leistungen - egal, in welchem Bereich sie erbracht werden - von bestimmten Gruppen eher negativ bewertet werden. Wer eine solche Leistung erbringt, riskiert, als Teil einer exklusiven Elite wahrgenommen und dargestellt zu werden. Durchschnittlichkeit ist mittlerweile die Maxime. Wer sich dagegen positioniert, läuft Gefahr, „sich verdächtig zu machen“ etc.
Und insofern ist die von Ihnen eingebrachte Grafik für mich ein Symptom dessen, woran es nicht nur dem deutschen Fußball seit vielen Jahren fehlt.
Doro
Hallo Doro,
Danke für den Beitrag. Genau deshalb habe ich die Grafik als Metapher verstanden: Sie verweist auf einen allgemeinen Trend, nicht nur imFußball.
Ich würde noch zwei Aspekte ergänzen:
Zum einen hat Eigenverantwortung für das eigene Handeln und die eigene Lebensplanung aus meiner Sicht an Stellenwert verloren.
Zum anderen gilt: Das olympische Motto „Dabei sein ist alles“ mag für den Breitensport sympathisch sein – im globalen Wettbewerb um Wohlstand, Bildung, Innovation und Spitzenleistungen ist es jedoch keine erfolgversprechende Strategie. Leistung und Eigenverantwortung sind keine Gegensätze zu Solidarität, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Soziale Marktwirtschaft dauerhaft finanzierbar bleibt.
