Beamtenpensionen usw

Lieber Herr Ronzheimer, schon lange folge ich Ihnen und schätze Sie sehr. Aber eine Frage treibt mich um: Warum berichtet, diskutiert, kritisiert kein Journalist die absolut ungerechte Behandlung unserer Beamten im Gegensatz zu den Angestellten: weiterhin wachsende Pensionen, nie eingezahlt , 3mal so hoch im Gegensatz zu den Renten, Keime Einschnitte im Gesundheitswesen, da PKV versichert, Beihilfe wir vom Steuerzahler bezahlt, Warum doppeltes Kindergeld, hier heißt es dann Familienzuschuss … Warum wird überall gekürzt? Nur bei den Staatsdienern nicht?

Ich würde mich sehr über einen Podcast zu diesem Thema freuen.

Beste Grüße Chris K

Lieber Herr Ronzheimer,

ich teile den Wunsch, dass das Thema Beamtenpensionen usw. thematisiert werden sollte. Aber bitte ausgewogen:

Viele der genannten Punkte klingen auf den ersten Blick plausibel – greifen aber zu kurz oder verzerren bewusst Zusammenhänge:
Beamte erhalten keine ‚Privilegien ohne Gegenleistung‘, sondern übernehmen zentrale staatliche und hoheitliche Aufgaben unter besonderen Bedingungen: Streikverbot, eingeschränkte Arbeitskampfrechte, besondere Treuepflicht, politische Neutralität sowie oft hohe Verantwortung in Verwaltung, Sicherheit, Bildung und Justiz. Also bei unserer Polizei, in unserer Bundeswehr oder bei unserem Zoll sowie weiteren Verwaltungen. Dabei leisten die Beamtinnen und Beamten oft Dienst zu ungünstigen Zeiten, deutlich über dem Arbeitszeitdurchschnitt in Deutschland und nicht selten in Gefährdungslagen.

Die Pension ist keine willkürliche Bevorzugung, sondern Teil eines anderen Vergütungsmodells: Beamte verzichten während ihres aktiven Dienstes auf Teile marktüblicher Gehaltserhöhungen und zahlen in ein eigenständiges Versorgungssystem über ihre Lebensdienstzeit ein – indirekt über geringere Nettobezüge im Vergleich zu vergleichbaren Positionen der Privatwirtschaft.
Auch die Beihilfe und PKV sind kein ‚Gratisluxus‘: Beamte tragen erhebliche Eigenanteile, Familienversicherung ist meist teurer als in der gesetzlichen Krankenversicherung, und im Alter steigen Belastungen teilweise deutlich.
Familienzuschläge dienen nicht der Überversorgung, sondern folgen dem verfassungsrechtlichen Prinzip der amtsangemessenen Alimentation, das sicherstellen soll, dass Staatsdiener unabhängig, integer und frei von existenziellen Sorgen ihren Dienst erfüllen können – gerade um Korruption, politische Abhängigkeit oder Personalabwanderung zu vermeiden.
Wer Beamtenbesoldung nur als Kostenfaktor betrachtet, übersieht ihre staatstragende Funktion: Ein leistungsfähiger Staat braucht qualifizierte Lehrer, Polizisten, Richter, Finanzbeamte und Verwaltungsfachkräfte. Eine unangemessene Schlechterstellung würde langfristig Qualität, Stabilität und Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens gefährden.
Kritik an Auswüchsen ist legitim – pauschale Neiddebatten jedoch verkennen, dass das Berufsbeamtentum kein Selbstzweck, sondern ein Stabilitätsanker demokratischer Staatlichkeit ist.

Herzliche Grüße Ulrich C.

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Hallo Herr Ulrich H.
Ich muss Ihnen da leider widersprechen.
Es hat mit Neiddebatte überhaupt nichts zu tun. Sondern mit Gerechtigkeit. Dieses Argument kommt immer, wenn es um dieses Thema geht!
Als ich vor 40 in das Berufsleben nach dem Studium eingestiegen bin, war das Versprechen: als Frau kann ich mit 60 in Rente gehen und bekomme 68% meines Durchschnittgehaltes. Heute sind wie bei 48% . Mir wurden 20% gestrichen. Und den Beamten wurden die Pensionen erhöht, nie eingezahlt und es wird immer von letzten Jahresgehalt berechnet. Und Betriebsrente bekommen nur ca.10%, diese Argument kommt auch immer, wenn es um die Rechtfertigung der Pensionen geht . Und warum ist diese im Durchschnitt 3mal so hoch wie die Rente.
Warum wird diskutiert, ob mir bei Krankheit der 1. Tag vom Gehalt abgezogen wird. Bei Beamten nicht.
Warum wird diskutiert, das das Krankengeld nach 6 Wochen gekürzt wird? Bei Beamten nicht, hier bekommt man volles Gehalt bei Krankschreibung, auch Jahre lang!
Wenn Sie im Angestelltenverhältnis privatversichert sind, müssen Sie für Ihre Kinder und Partner sehr hohe Beiträge bezahlen. Pro Kind bis zu 400 Euro. Bei den Beamten wird das definitiv von der Beihilfe mit finanziert bzw. Vom Steuerzahler. Und haben Sie schon mal die Beiträge eines Angestellten gesehen , welcher privat versichert ist? Sehr viel höher, auch im Alter, bei 1/3 Rente im Vergleich zu den Pensionen.
Uns was ist mir dem Familienzuschuss? Womit rechtfertigen Sie den? Sind die Kinder von Beamten besonders zu unterstützen? Auf Kosten der Steuerzahler.
Zudem sind Beamten von allen sozialen Abgaben befreit, sehr viel mehr Netto und z.B. die Kosten der Krankenversicherung für die Bürgergeldempfänger werden von Beamten auch nicht unterstützt.
Es geht hier nicht um Neid. Alles wird gekürzt und oder Beiträge erhöht, unsere Beamten werden da völlig rausbekommen? Oder haben Sie schon was von Kürzungen gehört? Bei den Pensionen z.B ? Bei den Rentnern geht das immer.
Wenn der Staat sparen muss, dann bitte bei allen. Und das findet nicht statt. Beamte sind keine Bürger, welchen irgendeine Bevorzugung zusteht. Warum? Wenn Einschnitte dann bitte für alle. Steht schon im Grundgesetz.
Warum soll der Steuerzahler für all diese Vorteile bezahlen?

Und nur darum geht es mir!
Und es wird nirgendwo öffentlich diskutiert. Als hätte der Journalismus eine Schweigegelübde abgelegt.

Grüße
Chris K

Hallo Herr oder Frau Chris,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort – viele Ihrer Sorgen sind nachvollziehbar, gerade wenn man selbst Einschnitte erlebt hat. Dennoch sollte man einige Punkte differenziert betrachten:
Beamtenversorgung ist historisch und rechtlich kein ‚Bonusprogramm‘, sondern Teil eines besonderen Dienst- und Treueverhältnisses. Beamte verzichten auf wesentliche Arbeitnehmerrechte wie Streikrecht, Tarifverhandlungen und freie Arbeitsplatzwahl in vielen Bereichen. Dafür verpflichtet sich der Staat zu einer amtsangemessenen Alimentation – auch im Alter.
Dass Renten und Pensionen unterschiedlich funktionieren, liegt daran, dass es sich um zwei grundverschiedene Systeme handelt: Renten basieren auf Beitragszahlungen in die Sozialversicherung, Pensionen auf dem Alimentationsprinzip des Staates als Dienstherrn. Beides direkt gleichzusetzen, greift zu kurz.
Auch Beamte tragen Belastungen:

-- Private Krankenversicherung verursacht teils erhebliche Kosten, besonders im Alter.
– Beihilfe deckt nicht alles ab.
– Viele Beamte hätten in vergleichbaren Positionen der Privatwirtschaft teils höhere Einkommen erzielen können.
– Die Versorgungssicherheit soll gerade Korruption verhindern und qualifizierte Fachkräfte im Staatsdienst halten.
Familienzuschläge sind kein ‚doppeltes Kindergeld‘, sondern Bestandteil des verfassungsrechtlich abgesicherten Alimentationsprinzips, das die wirtschaftliche Unabhängigkeit staatlicher Funktionsträger sichern soll.

Die Frage sollte daher nicht lauten: ‚Warum haben Beamte zu viel?‘, sondern vielmehr:
‚Wie schaffen wir insgesamt faire Alterssicherung und soziale Sicherheit für alle?‘

Die überwiegende Mehrheit der Beamtinnen und Beamten sowie Soldatinnen und Soldaten sind in unteren oder mittleren Besoldungsgruppen, bei denen die Decke jeden Monat sehr kurz ist. Gerade in Ballungsräumen gehören Angehörige des öffentlichen Dienstes zu Geringverdienern. Nur die allerwenigsten werden Direktoren oder Generäle. Die meisten sind Feldwebel, Hauptsekretäre und Inspektoren. Die haben alle kein Gehalt, mit dem man reich wird.

Gesellschaftlicher Fortschritt entsteht nicht dadurch, bestehende Sicherheiten gegeneinander auszuspielen, sondern indem man überlegt, wie gute Standards breiter abgesichert werden können.
Kritik an Reformbedarf ist legitim. Aber pauschal Beamte als ungerechtfertigt privilegierte Gruppe darzustellen, unterschätzt ihre Rolle für Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, Bildung, Sicherheit und Verwaltung.
Ein starker Staat braucht motivierte, qualifizierte Menschen im öffentlichen Dienst – und dafür braucht es Rahmenbedingungen, die diesem Anspruch gerecht werden.

Herzliche Grüße Ulrich C.

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Hallo Herr Ulrich,
Das Sie sich tatsächlich auf das historische Beamtenrecht aus Kaiser Wilhems Zeiten von 1723 beziehen, sagt mir, dass ich bedauerlicherweise Weise, aus der Diskussion mit Ihnen aussteige.
Ich bin eine Frau und froh darüber, dass sich meine Rechte seit 1723 geändert haben.
Und im übrigen: streiken kann man nur, wenn man gewerkschaftlich gebunden ist und das sind die wenigsten.
Sollte es irgendwann mal eine Bewegung/ Demo für Veränderungen der Beamtenrechte und mehr Gerechtigkeit im System geben, werde ich mich anschließen.
Und nun so nebenbei: wenn der Staat kein Geld mehr hat, wird es auf für Beamte nichts mehr geben.
Mit freundlichen Grüßen
Chris K

Hallo Frau Chris,
ich respektiere, dass Sie das Thema emotional bewegt – gerade weil Fragen von Gerechtigkeit viele Menschen unmittelbar betreffen. Dennoch möchte ich einen Punkt klarstellen:
Der Verweis auf historische Ursprünge bedeutet nicht, vergangene Gesellschaftsmodelle zu verteidigen, sondern zu erklären, warum bestimmte staatliche Strukturen überhaupt entstanden sind. Auch unser heutiges Renten-, Sozial- oder Rechtssystem hat historische Wurzeln – entscheidend ist, wie es heute ausgestaltet und demokratisch legitimiert ist.
Das moderne Berufsbeamtentum existiert nicht als Relikt vergangener Monarchien, sondern weil ein demokratischer Staat weiterhin verlässliche, politisch unabhängige und rechtsstaatlich gebundene Institutionen benötigt. Lehrer, Polizei, Justiz, Finanzverwaltung oder Verwaltung insgesamt sollen eben nicht allein Marktmechanismen oder kurzfristigem politischen Druck unterliegen.
Zum Streikrecht: Auch wenn nicht jeder Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert ist, bleibt grundsätzlich die Möglichkeit kollektiver Arbeitskämpfe bestehen – Beamten ist dieses Instrument vollständig untersagt. Dieser Unterschied ist systemisch relevant.
Was die Staatsfinanzen betrifft: Selbstverständlich ist kein Versorgungssystem unbegrenzt belastbar. Auch Beamtenversorgung ist langfristig an die Leistungsfähigkeit des Staates gekoppelt. Deshalb gibt es ja bereits Reformdiskussionen, Anpassungen und Haushaltsdebatten.
Aber Sparzwang allein rechtfertigt nicht automatisch die Abschaffung bewährter staatlicher Strukturen, sondern verlangt ausgewogene Reformen.
Die zentrale Frage sollte deshalb nicht sein: ‚Warum existiert Beamtentum überhaupt noch?‘
Sondern: ‚Wie sichern wir Fairness für alle, ohne die Funktionsfähigkeit des Staates zu gefährden?‘
Denn ein funktionierender Staat benötigt qualifizierte Menschen, die bereit sind, unter besonderen Pflichten Verantwortung zu übernehmen.
Natürlich kann man über Umfang und Ausgestaltung diskutieren – aber pauschale Gleichsetzung mit ungerechtfertigten Privilegien greift meines Erachtens zu kurz.
Ich denke, gerade in komplexen Fragen hilft Differenzierung oft mehr als Systemgegensätze.

Herzliche Grüße Ulrich C.

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Allerdings haben wir gleichzeitig das Problem, dass man kaum gute Leute für den Staatsdienst bekommt, Chris K. Also irgendwo hinkt ihre Logik. Beamtengehälter sind eben insgesamt sehr niedrig. Das Grundgehalt wächst immer langsamer als der Durchschnitt der Angestellten in der Wirtschaft.

Gucken Sie sich mal an, was ein Richter verdient im Vergleich zu einem Anwalt, was ein Professor verdient im Vergleich zu einem Abteilungsleiter in einem Forschungsunternehmen, was eine Person in der Öffentlichkeitsarbeit einer Behörde verdient im Vergleich zu der selben Tätigkeit in einem Industrieunternehmen. Dazwischen liegen Welten!

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Hallo Andreas, es ist so interessant wie Beamter mir aller Kraft verteidigen, dass sie bei allen Reformen/Kürzungen etc. verschont bleiben.
Oder glauben Sie, dass z.B. Pflegepersonal ausreichend bezahlt wird und das es völlig ok ist, wenn Ihnen jetzt ein Tag vom Gehalt ab gezogen werden soll, wenn Sie sich krankmelden. Beamte können 16 Jahre krank sein, bei vollen Gehalt. Sind Beamte vor allem geschützt? Ist das gerecht? Weiter so, wie vor 300 Jahren.ä? Mir geht es darum, das gerade alle Ihren Beitrag/Kürzungen hinnehmen müssen, nur unsere Staatsdiener nicht! Da gibt es für mich auch nicht eine einzige Erklärung oder Rechtfertigung für. Die Angestellten sollen schon weiter Abzüge usw. zahlen, damit bei Ihnen weiterhin alles so bleibt? Ist das wirklich Ihr Ernst? Auch hier steige ich aus, es macht keinen Sinn, mit Menschen zu diskutieren, welche glauben das Recht zu besitzen, dass sie bevorzugt behandelt werden.

MFG

Hi Chris, ich verstehe nicht ganz die Wut bei Dir. Natürlich sollen alle vernünftig bezahlt werden für ihre Leistung. Das gilt für Pfleger wie für Lehrer. Dein Argument, dass Beamte in bestimmten Bereichen gut gestellt sind, ist nicht verkehrt - Du solltest aber eben auch die andere Seite der Medaille sehen: das Beamtengehälter die letzten 40-50 Jahre immer etwas weniger oder gar nicht gestiegen sind, wenn vergleichbare Angestellte Lohnzuwächse bekamen. Inzwischen sind die Grundgehälter von Beamten so gering, dass man kaum noch qualifizierten Nachwuchs findet.
Beispielsweise Richter. Ein Richter verdient heute fast nichts im Vergleich zu einem Anwalt. Wollen wir weiter die besten Juristen als Richter haben? Ich denke schon! Was ist mit den Leuten, die für den Staat die Beschaffungsverträge machen? Da sitzen A10 Leute mit 3000€ netto Leuten gegenüber, die 3000€ Stundensatz haben… mit entsprechenden Folgen für den Staat, also uns alle.
Im übrigen sind die meisten Beschäftigten im Staatsdienst gar nicht Beamte sondern Angestellte im Ö.D. - es gibt gar nicht mehr so dramatisch viele Beamte.
Aus guten Grund sind Polizisten (schlecht bezahlt), Richter (extrem schlecht bezahlt!), Soldaten (auch schlecht bezahlt für den Job) Beamte. Keiner dieser Berufe ist besonders finanziell attraktiv. Würde man da weiter einschränken ohne gleichzeitig die Löhne massiv zu erhöhen, sehe ich ein noch größeres staatliches Kompetenzproblem auf uns zukommen.
Ich habe mehrfach im Ausland gelebt, wo Staatsdiener (noch) schlechter bezahlt werden als in Deutschland. Das war fürchterlich. Will ich nicht. Ich bin für einen gut funktionierenden Staat.

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