Dieses Gespräch war erstaunlich gut. Insbesondere dafür, dass es ein Politiker war. Ab und an, wenn die Schröder-Zeit gelobt wurde, kam das durch - aber weitgehend war es eine vergleichsweise spannende Unterhaltung mit dem nötigen Maß an „push-back“.
Was die sg. „Sicherheitsarchitektur“ angeht, frage ich mich rein spieltheoretisch, wie so was aussehen soll. Der kalte Krieg war durch zwei große, etwa gleich starke Blöcke geprägt. Da kann man sich auf Status-Quo einigen und alles ist gut, „mutual destruction“ usw.
Aber in einer sg. Multi-Lateralen Welt, also mit vielen mittelstarken Mächten? Wie soll das ganz prinzipiell gehen? Hat man beispielsweise in Europa 10 große Militärmächte (UK, D, F, I, ES, PL,…) und ein Land wie Russland ist im Streit mit diesen, sind es 9 gegen 1, also wird dieses eine Land sich bedroht fühlen. Das kann man rein logisch gesehen nicht verhindern. Es können sich immer irgendwelche Allianzen bilden, die ein Land bedrohen.
Also ich kann jedenfalls rein logisch nicht verstehen, wie man wieder zu einer stabilen „Sicherheitsarchitektur“ zurückfinden will. Herr Gabriel ist hier im Denken des Kalten Krieges stecken geblieben, wünscht sich eine Bipolare Welt zurück. Das ist unrealistisch.
Es wird am Ende nur funktionieren, indem man ein Sicherheitsmonopol errichtet, also komplett gewinnt mit „unserer“ Vorstellung von freier Gesellschaft. Ich denke, wir haben durchaus die Chance, dass freie Gesellschaften die „Weltherrschaft übernehmen“ und Diktaturen an den Rand drängen. Warum sollen wir das nicht aktiv versuchen? Aus Angst vor dem Sieg?