Kampf der Religionen - oder Kampf gegen Religion?

Ich nehme die öffentliche Diskussion um Islam, Islamismus, Zuwanderung aus diesen Gegenden und die Effekte dessen auf „unsere“ Kultur (Frauenbild, Antisemitismus, Kleidungsvorschriften, Gewalt…) als falsch wahr.

Meiner Meinung nach verwechselt man die Religion (hier Islam) mit Religiosität.

Das Problem mit Anhängern des Islam ist nicht ihr Glaube an sich, sondern die Tatsache, dass sie ihren Glauben überhaupt ernst nehmen. Deutschland ist, wie der „Westen“ insgesamt, eine post-religiöse, aufgeklärte Gesellschaft, wo Religion nur noch eine Art kulturelle Zeremonie für wichtige Ereignisse wie Geburt, Hochzeit, Tod oder als Rahmen für Feiertage darstellt. Niemand nutzt religiöse Argumente im Alltag, z.B. was man wann Essen darf oder wie man sich kleidet oder gar wen man heiratet.
Das war nicht immer so. Es gab in Europa sogar Kriege zwischen Katholiken und Protestanten, heftige Kriege, und bis in die 60er Jahre spielten Katholiken nicht mit Protestanten oder waren in der selben Klasse. Hochzeiten zwischen ihnen waren verpönt.
Aber es hat sich eben gewandelt. Wir leben in einer Zeit, wo Religion keine große Rolle mehr spielt. Niemand würde ernsthaft seinem Kind von einer Hochzeit abraten, wenn der Partner eine andere Religion hat. Niemand würde sich religiös verletzt fühlen wenn das Kind auf einem Kindergeburtstag irgendwas isst, was es zu Hause nicht gibt (Nutella zum Beispiel oder Cola).

Das Problem, das wir in Deutschland haben, ist, dass es Zuwanderer gibt, die diese säkulare Grundhaltung nicht teilen. Die Religion weiterhin als bestimmend ansehen. Logischerweise ist das ein Problem. Es geht nicht um säkulare Menschen, die zufälligerweise einen islamischen Background haben. Niemand würde sich ernsthaft weigern, mit einem türkischstämmigen Arzt aus der Nachbarschaft ein Fastenbrechen zu feiern. Anders ist es, wenn dieser Nachbar eine Einladung nicht annimmt, weil Fastenzeit ist oder weil Schweinefleisch auf dem Grill liegt oder einer Frau nicht die Hand schüttelt. Das wären Symbole dafür, dass man das säkulare Leben nicht annimmt.

Wenn wir unser säkulares Leben behalten wollen und es ausweiten auf mehr Länder in der Welt, dann sollte man sich nicht gegen Islam wenden, sondern gegen jeden religiösen Einfluss. Fundamentale Christen (wie es sie tw. in den USA gibt) sind genauso Feinde unseres Lebensstils.

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Ich würde so weit nicht gehen und Religiosität - oder fassen wir es weiter und reden von einem durch Weltanschauung geprägten Lebensstil - insgesamt ablehnen. Im privaten Bereich, unter Gleichgesinnten soll er gerne gelebt werden. Das gehört zur freien Persönlichkeitsentfaltung, die eben auch Teil unseres Wertekanons ist. Aber die Trennung von Staat und Religion, der weltanschaulich neutrale Staat ist ein hohes Gut und ja, die Akzeptanz dessen sollte unbedingt eingefordert werden.

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