Podcast mit Julia Löhr

Frau Löhr wird als Wirtschaftsexpertin vorgestellt. Wobei sich die Frage stellt, ab wann man eigentlich als Expertin gilt. Reicht dafür inzwischen schon ein nicht abgeschlossenes Studium in einem wirtschaftsnahen Fach?

Erstaunlich ist jedenfalls, wie wenig sie zu den tatsächlichen Ursachen der wirtschaftlichen Probleme Deutschlands zu sagen hat. Die üblichen Schlagworte fallen zwar: Produktivität, Bildung, KI. Doch über die Schlagworte hinaus wird es dünn.

Immerhin hat sie erkannt, dass die Produktivität das Kernproblem ist. Das ist sicherlich korrekt. Steigt die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde, steigt langfristig auch der Wohlstand. Nur leider endet ihre Analyse genau an diesem Punkt. Statt zu fragen, warum die Produktivität in Deutschland seit Jahren schwächelt, folgt der übliche Ausflug in Verteilungsfragen, Steuerlasten und Sozialausgaben, verbunden mit dem Wort KI. Fehlt nur noch Bürokratie-abbau.

Dabei wird eine naheliegende Frage gar nicht erst gestellt: Muss wirklich immer mehr Geld durch staatliche Hände fließen? Könnte es sein, dass eine sinkende Staatsquote produktiver wäre als eine ständig steigende? Offenbar ist für Frau Löhr bereits gesetzt, dass der Staat grundsätzlich besser weiß, wie Geld verwendet werden sollte als die Bürger selbst. Für diese Annahme gibt es allerdings wenig empirische Unterstützung. Im Gegenteil: Hohe und weiter steigende Staatsquoten gehen meistens mit schwächerem oder gar negativen Produktivitätswachstum einher. Keiner ist ineffizienter als der Staat.

Aber geschenkt. Was soll man von jemandem erwarten, der weder Volkswirtschaft studiert noch jemals unternehmerische oder wirtschaftliche Verantwortung getragen hat?

Besonders sympathisch fand ich als Hochschullehrer ihr Plädoyer für höhere Bildungsausgaben. Wer würde sich nicht über mehr Geld freuen? Nur stellt sich eine unangenehme Frage: Warum stammen praktisch alle großen technologischen Innovationen der letzten drei Jahrzehnte aus den USA, trotz hoher Bildungsausgaben in Deutschland und nach wie vor Weltklasse Universitäten?

An deutschen Hochschulen mangelt es jedenfalls nicht an MINT-Studienplätzen von sehr hoher Qualität. Teilweise gibt es fast 1:1 Betreuung durch Hochschullehrer. Dennoch beobachte ich seit Jahren, dass ein großer Teil der Studierenden in diesen Fächern aus dem Ausland kommt. Deutsche Schulabgänger entscheiden sich immer seltener für die anspruchsvollsten MINT Studiengänge. Warum eigentlich?

Vielleicht, weil die Anreize nicht stimmen?

Weiterhin beobachtet man, dass diejenigen, die erfolgreich abschließen, oft Deutschland verlassen. Ich habe diesen Schritt selbst gemacht, kam nur aus privaten Gründen zurück. Der Grund ist banal: In den USA verdienen Ingenieure, Informatiker und Physiker nicht 20 Prozent mehr, sondern 100 Prozent und mehr. Das bedeutet einen völlig anderen Lebensstandard. Dort können technische Fachkräfte Vermögen aufbauen, großzügig wohnen und erheblich mehr konsumieren (Reisen in 5-Sterne Hotels etc.). In Deutschland gelten solche Perspektiven eher als Privileg von Spitzenanwälten, ZDF-Redakteuren oder Lufthansa-Piloten.

Wer Innovation fördern will, sollte deshalb nicht nur über neue Forschungsgebäude, Förderprogramme und zusätzliche Staatsausgaben sprechen. Innovation entsteht vor allem dort, wo Leistung sichtbar belohnt wird. Wenn man mehr junge Menschen für anspruchsvolle technische und naturwissenschaftliche Berufe gewinnen möchte, dann muss man dafür sorgen, dass sich diese Anstrengung am Ende auch finanziell auszahlt.

Andernfalls wird Deutschland weiterhin darüber diskutieren, wie man Wohlstand verteilt – während andere Länder ihn erwirtschaften.

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