Vorschlag Podcast zur Stromlüge

Mainstream-Medien kochen das Thema der bevorstehenden Industrieabschaltungen aufgrund von Haltungsjounalismus herunter. Nur WELT und Apollo nicht.

Wie geht Ronzheimer damit um ?

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Verschwiegen wird da nichts. Alles, was ich hier schreibe, stammt von der Website der Bundesnetzagentur, aus dem Energiesicherungsgesetz und aus einer EU-Verordnung. Öffentlich, kostenlos, in zwanzig Minuten nachprüfbar. Die Behörde erläutert das Vorhaben auf ihren eigenen Seiten, die Fachpresse führt es im laufenden Ticker, Anwaltskanzleien schreiben ihren Mandanten darüber. Sogar die Zahlen, mit denen Apollo die Geschichte aufgemacht hat, hat die Bundesnetzagentur auf Anfrage selbst herausgegeben.

Es wurde nur nicht skandalisiert. Und dafür gibt es drei ziemlich handfeste Gründe.

Erstens: Es greift erst, wenn alles andere versagt hat. Eine Mangellage nach EnSiG liegt laut Gesetz erst vor, wenn der lebenswichtige Bedarf durch marktgerechte Maßnahmen nicht mehr oder nur noch mit unverhältnismäßigen Mitteln zu gewährleisten wäre. Dieser Fall ist in Deutschland noch nie eingetreten.

Zweitens: Davor liegt eine Kaskade, bei der Unternehmen Geld bekommen statt Anordnungen. Preissignale am Spotmarkt. Regelleistung mit Leistungs- und Arbeitspreis. Redispatch nach § 13 EnWG mit Kostenerstattung. Und aus dem Versorgungssicherheitsgesetz vom Juli 2026 die Ausschreibung von elf Gigawatt steuerbarer Kapazität. Wer Flexibilität anbietet, wird dafür vergütet. Die Plattform ist die letzte Stufe, nicht die erste.

Drittens: Es ist kein deutscher Sonderweg, sondern EU-Recht. Die Verordnung 2019/941 verpflichtet jeden Mitgliedstaat, in seinem Risikovorsorgeplan einen Rahmen für manuellen Lastabwurf festzulegen, samt der Frage, welche Verbrauchergruppen besonderen Schutz genießen. Frist war Januar 2025. Österreich hat das, Zypern hat das, alle haben das. Und für Gas existiert exakt dasselbe in Deutschland seit 2022, damals monatelang Titelthema.

Wie es anderswo läuft, ist auch aufschlussreich. In China wurden 2021 in 16 von 31 Provinzen Strommengen rationiert, in Zhejiang mussten über 160 Textil- und Chemiefaserbetriebe die Produktion einstellen, Fabriken in Kunshan bekamen fünf Tage Totalabschaltung mit etwa einer Woche Vorlauf. 2022 setzten in Sichuan Halbleiter- und Solarhersteller wegen Hitze und Dürre die Produktion aus. In den USA gab es 2020 in Kalifornien und 2021 in Texas rollierende Abschaltungen, teils ohne brauchbare Vorwarnung.

Deutschland plant 24 bis 72 Stunden Vorlauf, für einen Fall, der noch nie eingetreten ist, nach vier vergüteten Stufen davor, umgesetzt nach EU-Recht, veröffentlicht auf der Behördenwebsite, ab September in öffentlicher Konsultation.

Dass daraus keine Titelgeschichte wird, liegt nicht an Haltungsjournalismus. Es liegt daran, dass Verwaltungsverfahren selten welche werden.

Wo Kritik berechtigt bleibt: Die Entschädigungsfrage ist ungeklärt. § 11 EnSiG zielt auf Enteignung, § 12 ist eine Härtefallklausel, beide waren noch nie Gegenstand einer gerichtlichen Entscheidung. Wer zwei Tage nicht produziert, hat keinen automatischen Anspruch auf Ersatz. Das ist ein echtes Problem, und genau dafür ist die Konsultation im September da.

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Sie liefern eine reine Beschreibung des Inhalts der Webseite der Bundesnetzagentur und der EU-Vorschrift.

Mit nicht einem Wort widerlegen Sie die Warnungen und Kritik von Fritz Vahrenholt. Weil Sie es nicht können.

Sie meinen den Vahrenholt, der 2012 in „Die kalte Sonne“ eine unmittelbar bevorstehende globale Abkühlung vorhergesagt hat?

Sie kam nicht. Die Temperaturen stiegen von Rekord zu Rekord. Seine Reaktion war nicht, die These zu korrigieren, sondern der NASA vorzuwerfen, sie manipuliere die Temperaturdaten. Bereits 2010 hatte er in der WELT behauptet, der Klimawandel pausiere wegen schwacher Sonnenaktivität, und dabei mehrere Wissenschaftler falsch zitiert. Als das Umweltbundesamt ihn daraufhin als Klimawandelskeptiker bezeichnete, klagte er dagegen und verlor: Das Verwaltungsgericht wies die Klage im November 2015 ab, die Aussagen des UBA seien sachlich, nicht verfälschend und nicht überzogen.

Und ja, er hat einen beeindruckenden Lebenslauf. Umweltsenator, Repower Systems, RWE Innogy. Genau deshalb prüfe ich, was er sagt, statt es zu glauben. Vier Aussagen aus dem Apollo-Interview vom 29. Juli:

1. „Stromausfälle in den nächsten fünf Jahren“, weil Gaskraftwerke erst 2031 kommen. Das Versorgungssicherheitsmonitoring der Bundesnetzagentur vom 3. September 2025 sagt das Gegenteil: Versorgung bis 2035 gewährleistet, wenn 22 bis 35 GW steuerbare Leistung hinzukommen. Die erste Ausschreibung über zwölf Gigawatt startet im September 2026.

2. Der Kohleausstieg reiße Lücken. Kein Kraftwerk geht endgültig vom Netz, bevor die Systemrelevanz geprüft ist. Systemrelevante Blöcke gehen in die Netzreserve und bleiben abrufbar.

3. Deutschland sei „auf dem Level von Südafrika“. Südafrika 2023: über 300 Tage planmäßiges Load Shedding. Deutschland 2024: 11,7 Minuten pro Kunde im Jahresschnitt, Rekordtief. Bundesnetzagentur, 9. Oktober 2025.

4. Wind sei „nur an 25 Prozent der Zeit des Jahres da“. Das ist der Kapazitätsfaktor, nicht die Verfügbarkeit. Windräder speisen in der großen Mehrheit aller Jahresstunden ein, nur selten mit Volllast. Der frühere Chef eines Windkraftherstellers kennt diesen Unterschied.

Wo er recht hat: Das EnSiG sieht für angeordnete Drosselungen keine Entschädigung vor. Echter Missstand. Gilt allerdings seit Jahrzehnten und galt 2022 beim Gas genauso, ohne Aufschrei.

Drei Aussagen durch Zahlen derselben Behörde widerlegt, eine durch eine Verwechslung von Grundbegriffen, ein berechtigter Punkt. Wenn Sie eine andere Aussage von ihm meinten: nennen Sie sie, dann prüfe ich die auch.

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Genau den wichtigsten Punkt 1. darf man getrost als äußerst zweifelhaft betrachten.

Von der im Zeitplan erforderlichen Anzahl an Gaskraftwerken wird nur die Hälfte ausgeschrieben.

Ob der Turbinenmarkt die Ausschreibungen überhaupt aufzunehmen bereit ist, dürfte mehr als zweifelhaft sein.

Durch die weltweite Dekarbonisierung (Kohle-zu-Gas-Wechsel) sowie den enorm steigenden Strombedarf durch KI-Rechenzentren und Industrieelektrifizierung sind die Auftragsbücher der Turbinenbauer auf Jahre gefüllt. Die Lieferzeiten für große Gasturbinen und Generatoren liegen derzeit oft bei 3 bis 5 Jahren. Neben den Herstellern selbst sind auch Unterlieferanten für Schlüsselkomponenten (Guss- und Schmiedeteile, Speziallegierungen, Großtransformatoren) stark beansprucht.

Es ist erneut so, dass Sie nur die Planungs- und Darstellungslage der Netzagentur beschreiben, aber keinen Gedanken an die Realität verschwenden.

Der Turbinenmarkt ist eng, das räume ich ein. Nur liegt das nicht an der Energiewende, sondern an KI. Rechenzentren machen rund ein Viertel des Gasturbinen-Auftragsbestands von Siemens Energy aus, 40 Prozent des Weltmarktes entfallen auf die USA, und im zweiten Quartal 2026 lagen die globalen Aufträge bei 38 GW, plus 71 Prozent. Deutschland konkurriert um Lieferslots mit Microsoft und Saudi-Arabien. Das hätte kein anderer deutscher Energiepfad geändert.

Und jetzt rechnen Sie bitte nach. Vahrenholt warnt vor Stromausfällen in den nächsten fünf Jahren und begründet das mit Gaskraftwerken ab 2031. Das Zieljahr der Bundesnetzagentur ist 2035. Das sind neun Jahre. Bei drei bis fünf Jahren Lieferzeit, die Sie selbst nennen, passt das mit Reserve.

Und falls es doch eng würde, steht die Antwort längst. Merz beim FAZ-Kongress 2026: „Wir werden möglicherweise laufende Kohlekraftwerke länger am Netz lassen müssen. Ich bin nicht bereit, den Kern unserer Energieversorgung aufs Spiel zu setzen, bloß weil wir da vor Jahren Ausstiegsdaten beschlossen haben.“

Der gesetzliche Kohleausstieg liegt ohnehin bei spätestens 2038. Für das Zieljahr 2028 hat die Bundesnetzagentur festgestellt, dass gar kein Verfeuerungsverbot nötig ist. Es wird nicht abgeschaltet, was gebraucht wird. Ihr Szenario setzt aber genau das voraus.

Ehrlich dazu: Das kostet Klimaziele. Längere Kohlelaufzeiten heißen mehr CO2. Aber das ist der Preis für Versorgungssicherheit, nicht deren Scheitern. Ihre These war, dass das Licht ausgeht. Es geht nicht aus. Es wird nur schmutziger und teurer, als es sein müsste.

Bleiben die drei anderen Aussagen Vahrenholts: Südafrika, Kapazitätsfaktor, Netzreserve. Dazu haben Sie jetzt zweimal nichts geschrieben.

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Schön, dass Sie beginnen sich Realitäten zu öffnen.

Nun rechnen Sie einfach konkret vor, mit wieviel Turbinen Sie in dem von Ihnen angenommenen Zeitfenster für deutsche Bedarfe rechnen.

Wir müssen mal mit den Hoffnungsläufen in der deutschen Energiepolitik aufhören.

Also welche Produktion konkret von wem wann ?